Juli 2015

Weindl.Ziegler.Schladt
Kapitalanlagenrecht

Fehlerhafte Anlageberatung – BGH, Urt. v. 24.04.2014, Az. III ZR 389/12 und BGH, Urt. v. 24.03.2015, Az. XI ZR 278/14

Eine kompetente Anlageberatung orientiert sich an den Zielen des potentiellen Anlegers. Dabei berücksichtigt diese die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Risikobereitschaft und die Vorkenntnisse des Kunden. Leider ist dies häufig nicht der Fall. Grundsätzlich hat der Kunde damit einen Anspruch auf eine zielgerichtete und an ihn persönlich angepasste Beratung für eine Geldanlage, wobei die empfohlenen Produkte dem entsprechen müssen.

Der BGH (Urt. V. 24.04.2014, Az. III ZR 389/12) hat erst kürzlich bekundet, dass der Anlageberater eine anlagergerechte Beratung schuldet. Das bedeutet, dass neben den persönlichen wirtschaftlichen Verhältnissen des Kunden, vor allem auch das Anlageziel, die Risikobereitschaft und der Wissensstand des Anlageinteressenten mit in die Beratung Eingang finden müssen. Das empfohlene Anlageprodukt muss entsprechend dem Anlageziel die persönlichen (wirtschaftlichen) Verhältnisse des Kunden widerspiegeln.

Anlageziele können dabei Altersvorsorge, Sicherheit, Steuerersparnis und Vermögenszuwachs sein. Der BGH erklärt, dass für einen sicherheitsorientierten Kunden eine Empfehlung einer unternehmerischen Beteiligung wegen des in der Regel damit verbundenen Verlustrisikos fehlerhaft sein kann. Verfolgte der Anleger jedoch als Anlageziel die Steuerersparnis, ist dies regelmäßig nicht ohne Verlustrisiko zu erreichen. Dieses Risiko muss dann jedenfalls im Prospekt der Anlage angegeben werden, vor allem auch ein deutlicher Hinweis auf das Totalverlustrisiko.

Nach dieser Entscheidung des BGH liegt also eine fehlerhafte Beratung vor, wenn nicht anhand der kundenspezifischen Anlageziele orientiert beraten und aufgeklärt wird. Es stehen sowohl die Anlageziele des Kunden als auch die persönlichen Verhältnisse, Kenntnisse und Risikobereitschaft im Mittelpunkt. Eine nicht auf die Anlageziele des Kunden abgestimmte Empfehlung von Wertpapierprodukten, lässt den Vertragsschluss von vorn herein als nicht den Vermögensinteressen des Anlegers entsprechend und damit nicht angemessen und nachteilig erscheinen (so der BGH in: Urt. V. 24.03.2015, Az. XI ZR 278/14).

Eine fehlerhafte Beratung kann Schadensersatzansprüche auf Seiten des Anlegers auslösen. Grundsätzlich ist dabei der Anleger so zu stellen, wie er ohne das schädigende Ereignis stehen würde. Wir überprüfen Ihre Ansprüche gern.

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