Weindl.Ziegler.Schladt
Steuerrecht

Neue Rechtsprechung zum häuslichen Arbeitszimmer

Im Laufe des Jahres 2016 hat der BFH in mehreren Urteilen zur Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer seine Rechtsprechung weiter präzisiert und in der Praxis häufig anzutreffende strittige Fragen - leider zu Lasten der Steuerpflichtigen - geklärt.

Ein häusliches Arbeitszimmer ist hinsichtlich seiner Lage, Funktion und Ausstattung in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden und dient vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten. Aufwendungen können nur dann voll als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit bildet. Ein begrenzter Abzug von max. 1.250 € pro Jahr ist zulässig, wenn das Arbeitszimmer zwar nicht der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit ist, aber für diese Tätigkeiten kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist.

Nach Auffassung der Finanzverwaltung muss dieser Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich beruflich oder betrieblich genutzt werden (größer 90%). Eine höhere anteilige private Mitbenutzung schließt die Abzugsfähigkeit der Kosten in vollem Umfang aus.

Dies hat nun der BFH in mehreren Urteilen bestätigt. Eine anteilige Kostenaufteilung bei privater Mitbenutzung des Arbeitszimmers nach einem sachgerechten Schlüssel kommt nicht in Betracht. Es gibt auch keinen Kostenabzug bei einer Arbeitsecke in einem offenen Wohnraum, eine Abtrennung des Arbeitsbereichs vom Wohnbereich durch ein Regal oder einen Raumteiler genügt ebenfalls nicht. Auch ein Arbeitszimmer als Durchgangszimmer genügt den Anforderungen nicht. Ganz aktuell entschied der BFH in einem Fall, in dem aufgrund der offenen Bauweise im als Arbeitszimmer genutzten Raum auch eine Küchenzeile enthalten war, welche privat auch als Küche genutzt wurde. Aufgrund der Mitbenutzung zu privaten Wohnzwecken wurden lt. BFH auch diese Kosten zurecht steuerlich insgesamt nicht anerkannt.

Ferner hat der BFH entschieden, dass – auch wenn die Kosten für das Arbeitszimmer selbst anerkannt werden – es keinen Abzug von Aufwendungen für gemischt genutzte Nebenräume gibt, z.B. für Flur, Bad oder Küche.

Aufgrund der strengen Auffassung der Finanzverwaltung und der Rechtsprechung empfiehlt es sich, vor der Einrichtung eines Arbeitszimmers steuerlichen Rat einzuholen und insbesondere darauf zu achten, dass das Arbeitszimmer ein Raum ist, welcher mit einer Tür vom übrigen Wohnbereich strikt abgetrennt ist.

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